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Brigitte Freihold

Der Pelz soll gewaschen werden, ohne ihn nass zu machen

Einerseits soll der Bezirksverband Erweiterungsflächen vorschlagen, andererseits sollen Kommunen, Behörden, Vereine und Verbände ein Mitsprachrecht haben

DIE LINKE im Bezirkstag Pfalz: Erweiterung der Kernzonen des Biosphärenreservats sind an bestimmte Bedingungen geknüpft

Die Kernzonen des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen müssen von 2,1 Prozent auf mindestens 3 Prozent der umfassten Fläche erweitert werden, um diesen Status zu erhalten und den dafür festgelegten Bedingungen des MAB-Komitees zu genügen. Die Erweiterung der Kernzonen steht seit Jahren auf der politischen Agenda und soll nun umgesetzt werden. Als Erweiterungsflächen kommen u.a. Flächen auf Ludwigswinkler und Eppenbrunner Gemarkung in Betracht. Der Ortsgemeinderat in Ludwigswinkel hat derweil Bedenken wegen der touristischen und wirtschaftlichen Nutzung angemeldet.

Dazu erklärt DIE LINKE im Bezirkstag Pfalz, Brigitte Freihold: „Der Ortsgemeinderat in Ludwigswinkel will Wanderwege erhalten, den Wald- und Wandertourismus fördern und ausbauen, die Rohrbachquelle weiterhin für die Löschwasseraufnahme durch die Feuerwehr zugänglich halten und obendrein die wirtschaftliche Nutzung des Waldes für den Brennholzeinschlag erhalten. Dies alles geht nicht zusammen mit den Bestimmungen, die für Kernzonen des Biosphärenreservats nun einmal gelten. In Kernzonen des Biosphärenreservats ist bis auf eng begrenzte Ausnahmen für Jagdpächter jede Nutzung und Begehung untersagt. Insofern möchte man in Ludwigswinkel den Pelz waschen, ohne ihn nass zu machen. Die Kernzonen sind ähnlich wie Nationalparks Gebiete, in denen die natürliche Entwicklung von Fauna und Flora sich selbst überlassen bleibt. Dort gibt es sicherlich viel zu sehen und zu bestaunen, aber nicht für Wandertouristen. Und diese Antwort sollte man seinen Gästen ehrlicherweise auch geben, wenn man gefragt wird, was es in der Kernzone zu sehen gibt.

Mit gedankenlosen Forderungen unter zu Hilfenahme des St. Florian Prinzips wurde in der Südwestpfalz bereits die mögliche Errichtung eines Nationalparks verhindert. Legendär wurde die Aussage von Landrat Duppre`, in der Südwestpfalz werde es keinen Nationalpark geben, ohne dass sich die politischen Gremien damit überhaupt näher befasst hätten. Offensichtlich spielen bei der Debatte in Ludwigswinkel die gleichen Interessen eine federführende Rolle. Der Bezirksverband als Träger des Biosphärenreservats trifft zwar nicht die Entscheidung über die konkreten Erweiterungsflächen der Kernzone, sollte sich aber eindeutig gegen zuwiderlaufende Begehrlichkeiten der betroffenen Kommunen positionieren. Auch um zu verhindern, dass der Bezirksverband in seiner Vermittlerrolle unter die Räder kommt. Denn einerseits soll der Bezirksverband Erweiterungsflächen vorschlagen, andererseits sollen Kommunen, Behörden, Vereine und Verbände ein Mitsprachrecht haben. Es ist daher eine dringende Aufgabe für den Bezirksverband, dafür klare und nachvollziehbare Kriterien zu entwerfen. Ansonsten werden die unterschiedlichsten Interessen ungebremst aufeinanderprallen.

Der Bezirksverband der Pfalz läuft im Moment Gefahr, den Prozess der Kernzonenerweiterung über weitere Jahre zu verschleppen und mit Projekt-Aktionismus zu verschleiern, dass diese Aufgabe unter den gegebenen Rahmenbedingungen und verschiedensten Interessengemengelagen kaum zufriedenstellend lösbar ist. Hier ist das Land Rheinland-Pfalz in der Pflicht und muss dem Bezirksverband Pfalz die benötigten finanziellen und personellen Mittel sowie die Handlungsspielräume geben, damit nicht noch mehr Zeit mit der Akquise von Projekt-Fördertöpfen verloren geht, statt dass endlich beherzt Nägel mit Köpfen gemacht werden.“

Brigitte Freihold, DIE LINKE im Bezirkstag Pfalz