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Brigitte Freihold, DIE LINKE im Bezirkstag Pfalz

Brigitte Freihold

Kern- und Schutzzonen als Flickenteppich können Artenschutz nicht gewährleisten

Alleine der Ausbau der Bundesstraße 10 mitten durch die Pflegzonen des Biosphärenreservats zerstört ein Vielfaches

DIE LINKE im Bezirkstag Pfalz: Biokorridore sind unabdingbar – Erweiterung der Kernzonen mit Sinn und Verstand notwendig

Zurzeit bestehen die unter besonderen Schutz stehenden Kernzonen des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen aus einer Vielzahl von Klein- und Kleinstflächen. Das einzige größere Schutzgebiet befindet sich nordöstlich von Pirmasens mit einer Ausdehnung von maximal 10 Kilometern in der Länge und einer maximalen Breite von 5 Kilometern. Die restlichen ausgewiesenen rund 30 Kernzonenflächen, davon 12 auf deutscher Seite, erreichen bei weitem diese Größe nicht.

Mit dem Projekt „Life Biokorridore“, finanziert von der EU, dem Land Rheinland-Pfalz, dem Bezirksverband Pfalz und den französischen Partnern soll nun versucht werden, durch Biokorridore aus Altholzflächen, Streuobstwiesen, Hecken oder durchlässigen Bachläufen die natürlichen Wanderwege von Tieren zu erhalten und Ausbreitungsmöglichkeiten für einen naturnahen Pflanzenbewuchs zu schaffen. Die bescheidene Anzahl und Ausdehnung der dadurch geschaffenen Biokorridore für den Artenschutz und den Erhalt der Biodiversität stehen in keinem Verhältnis zu den veranschlagten Kosten in Millionenhöhe.

Dazu erklärt DIE LINKE im Bezirkstag Pfalz, Brigitte Freihold: „Wollte man tatsächlich den natürlichen Austausch von Arten zwischen den einzelnen Biotopen gewährleisten und der genetischen Isolation entgegenwirken, wären ein Vielfaches der bisher veranschlagten Flächen und Maßnahmen sowie erheblich mehr Finanzmittel notwendig. Die hohen Kosten liegen u.a. darin begründet, dass es eine Vielzahl von weit verstreut liegenden Kernzonenflächen gibt, die räumlich weit voneinander getrennt liegen. Mit diesem Flickenteppich an Kern- und Schutzzonen ist ein nachhaltiger Artenschutz kaum möglich und wenn, dann nur mit einem enormen finanziellen Aufwand. Seit vielen Jahren wird von Naturschützern, Verbänden und nicht zuletzt vom MAB-Nationalkomitee die Erweiterung der Kernzonen von bisher 2 Prozent auf 3 Prozent der Waldfläche gefordert. Damit alleine ist es aber nicht getan. Wenn das Biosphärenreservat seinem in der Landesverordnung geregelten Schutzzweck tatsächlich nachkommen will, müssen Kernzonen mit Sinn und Verstand zusammengelegt werden – am besten in einem grenzüberschreitenden Gesamtkonzept.

Der grundsätzliche Widerspruch zwischen Natur- und Artenschutz und dem Flächenverbrauch für menschliche Siedlungen, der zerschneidenden Wirkung von Verkehrsadern und allen voran der prägenden wirtschaftlichen Interessen ist nach wie vor ungelöst, obwohl dies der eigentliche Zweck von „man and the biosphere“ (MAB) ist. Alleine der Ausbau der Bundesstraße 10 mitten durch die Pflegzonen des Biosphärenreservats zerstört ein Vielfaches der natürlichen Wanderwege von Tieren, die nun mit Millionenaufwand und kleinstteiligen Maßnahmen an anderer Stelle wieder hergestellt werden sollen. Insofern ist es kaum verwunderlich, dass 10 Prozent der Projektmittel in die Öffentlichkeitsarbeit fließen.

Solange diese Mittel für aufklärerische und bewusstseinsfördernde Maßnahmen in Sachen Naturschutz eingesetzt werden, ist dagegen kaum etwas einzuwenden. Zu befürchten ist allerdings, dass mit euphemistischen Hochglanzbroschüren der Öffentlichkeit auch jede Menge Sand in die Augen gestreut werden wird.“

Brigitte Freihold, DIE LINKE im Bezirkstag Pfalz